Sonntag, 13. Februar 2011

I take the midday Train To Georgia


Jeden Tag gibt es hunderte Anlässe wo ich die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Inder unterschätze. Zum Beispiel wenn mir der Rezeptionist beim Auschecken erklärt wie ich nächstes mal billiger ein Zimmer bekomme, oder wenn mich ein völlig Wildfremder beherzt von der Straße stupst, weil ich als naiver Mitteleuropäer noch immer glaubte, irgendwelche Rechte als Fußgänger zu haben. (Ich glaube ja das indische Kastensystem hat sich auf die Straße reinkaniert – wenn man sich kein Fahrzeug mit Hupe leisten kann – selber schuld)
Wenn dir ein Inder was sagt, dann stimmt es! (außer es beinhaltet Zeit und Ortangaben – dann ists was anderes)
So verlässlich die Inder sind, der Haufen mit dem ich in die Backwaters aufbrechen wollte wars nicht. Keinen Plan warum, aber die sind ohne mich losgezogen. Aber wer braucht schon Europäer wenn man in Indien ist! Also Lonly Planet raus, Route überlegt, gepackt und ab zum Bahnhof.

Die rund halbstündige Fahrt war witzig, im inneren des Wagon hats ein bisschen nach einem Borg-Cube ausgeschaut, und auch die immeroffenen Zugtüren haben mich ein bischen über die Sicherheitsvorschriften der ÖBB meditieren lassen. Ungefähr alle 2,4 Minuten kommt jemand vorbei und verkauft entweder Tee, Kaffee, kleine Snacks und ganze Mittagsmenüs. (ich bin schon bei Flugzeugessen skeptisch, werde das aber vielleicht bei der nächsten – und längeren - Zugreise – wagen.





Nun befinde ich mich in Kollam – in einem malerischen Fischerdorf mit rund 400000 Leuten. (und bei meinem kurzen Rundgang habe ich sie alle gesehen)
Hier fahren Boote jeden Morgen Richtung Alleppey (so eine Art Venedig auf indisch). Ich habe mir heute schon eine Karte dafür gekauft. Hier hat mich wieder irgendjemand auf der Straße angesprochen – (Look Elephants!) nur um mir die Möglichkeit zu geben Fotos zu machen. (in Erinnerung an meine Elefantencurryfantasien habe ich mich hinter einem Betonträger versteckt)




Aja das ist übrigens ein Polizeiauto, werde das bei Gelegenheit der PR-Abteilung der Wiener Polizei vorschlagen. 

Aja – weil ich zu Mittag ein bisschen Hunger hatte, war ich im zum Hotel angrenzenden Lokal und bestelle mal zur Abwechslung ein vegetarisches Thali. Gekommen ist ein „Tischlein Deck Dich Curry“
Der Kellner kam von links mit einen Teller mit nur 8 Schälchen und keinem Reis..
Von rechts kam ein anderer Kellner der einen riesen Teller mit einem Karmelhöcker Reis voll war. Von dem schaufelte der nun Reis auf meinen Teller. Der Kellner schaute mich an, ich schaute ihn an, er schaufelte. Erst viel zu spät begriff ich, dass ich Stop sagen muss um diesen Reisregen zu beenden. Nun hatte ich Reis für eine indische Großfamilie auf meinen Teller und der Höcker wurde wieder weggetragen. 4 der 8 Schälchen bis auf den Rand hinauf mit Currys Marke „Scharf bis hart“ gefüllt, eines mit Jogurt, eins mit einen duftenden Nachtisch und bei den anderen zwei hat allein das Anschauen gebrannt.
Nachdem ich die erste Schüssel endlich leergegessen habe, und dabei auch die Talstation meines Reisbergs leicht angekratzt habe, kommt eilig ein Kellner vorbei und will mir die Schüssel wieder mit dem Curry voll machen! Gut so konnte der Berg unmöglich abgetragen werden, also brach ich das Herz des Kellners indem ich den Nachschub ablehnte und aß mich artig durch insgesamt 6 Schälchen. Vom Berg habe ich maximal die Mittelstation erreicht.

Werde jetzt ein Internetcafe suchen und dann Abendessen.
Wünsche euch ein wunderschönes Wochenende.

Nachtrag: In diesem Ort sperrt Internet um 19 Uhr zu. Es war mir leider nicht möglich irgendwo in dieser Stadt ein offenes Internetkaffee zu finden. Dafür habe ich einen neuen Ausweg aus den täglichen Dillema am Abend gefunden (Curry oder doch Fisch) – es gab Fishcurry.




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